Montag, 3. August 2015

Ich helfe mir. [Selbsttherapie]

Vor 9 Tagen habe ich mal wieder versucht, einen Sprachbeitrag zu erstellen. Ich glaube, es waren so vier bis fünf gesprochene Versuche à 15 - 17 Minuten. Gesprochen habe ich über meinen Körper und seine Signale. Wie es mal war, wie es wurde, wie es jetzt ist. Und jedes Mal blieb am Ende diese Lücke. Es fehlte was. Sowas wie eine Pointe.


"Nee", dachte ich. "So kann das nicht stehen bleiben." Und ich löschte jeden Versuch. Ich mochte nicht schon wieder nur jammern, mich selbst bestätigen und daraufhin abermals jammern. Viel lieber hätte ich beschrieben, wie es war und dann, was ich tat, um mir zu helfen.


Und dann habe ich begonnen, mich mal genauer umzusehen. Denn vielleicht brauch' ich ja gar nicht zwingend einen Therapeuten, sondern kann mich am Wissen vieler anderer kluger Menschen bedienen? Jedenfalls habe ich eine wundervolle Seite gefunden, die ich seither so gern täglich besuche. Ruckizucki hatte ich die ein oder andere Erkenntnis - über ganz simple Dinge, aber für mich sehr formgebend. In jedem Fall wirkt es dort auf mich sehr stimmig und ich habe Lust, mich da durchzulesen/-arbeiten. Aber bevor das hier ein Beitrag mit halben Hilfen oder lediglich einem gänzlichen Verweis wird, warte ich noch etwas. Nein, besser gesagt: Ich übe bis dahin noch etwas. Und dann kann ich beim nächsten Mal hoffentlich ein bisschen darüber berichten, wie es mal war und wie es wurde, als ich was tat.




Montag, 20. Juli 2015

Aus der Rau(s)ch.

13 Jahre lang ohne Dampf keine Leistung.
Ständiges Nikotinverlangen.
Tag für Tag. 

Ich schrieb es bereits per instagram: Heute bin ich seit zwei Wochen (das sind übrigens 14 Tage; 336 Stunden oder 20160 Minuten) Nichtraucher. Das hätte ich mir wohl selbst nicht zugetraut.


Ich habe meist sehr gern geraucht. Es war für mich Genuss, Ablenkung und Auszeit. Aber auch Geselligkeit.

Das Lernen habe ich mit Rauchen unterbrochen, die Aufregung und Nervosität damit bekämpft. Gute Gefühle, sowas wie Euphorie, habe ich mit dem Rauchen verneununddreißigfacht. Telefonate wurden angenehmer. Der Sekt schmeckte mit Zigarette besser. Der Kaffee erstrecht. Bei Stress habe ich mich durchs Rauchen "entspannt". Langeweile habe ich mit dem Glimmstängel überbrückt. 



Und nun? Aus der Rausch. 
Als Nebenbefund eines CT stellte sich heraus, dass in meinen Halsgefäßen bereits Kalkablagerungen sichtbar seien. Sowas kann durch Verfettung bzw. ungesunde Lebensweise herrühren, vorwiegend jedoch durchs Rauchen begründet sein.

Diese Auswertung des CT war schon längst überfällig. Ich war ein bisschen ängstlich vor dem Befund, weshalb ich es immer weiter hinausschob. Vor zwei Wochen aber bot es sich an. Vertretungsweise musste ich zur Ärztin in der Gemeinschaftspraxis, die mir diesen Befund sehr schnell und direkt übermittelte und dann ganz entscheidend hinzufügte, dass sie selbst sehr gern geraucht hat. Doch vor drei Jahren hatte sie einen Schlaganfall, da ihre Halsgefäße infolge des Rauchens verstopft waren.

Bitte welch größeren Zaunpfahl sollte man mir vor's Gesicht hauen? 



Für mich ist das nicht nur purer Zufall, sondern ein dezenter Tritt in den Hintern, aus dem Überlegen, gedanklichen Verändern und Unsicher-sein herauszukommen. 

Ich verließ die Praxis. Zündete mir eine Zigarette an. Zum Abschied. Und warf sie nach einem Zug weg.

Da saß die Angst plötzlich ganz tief in mir. Will ich das? Schwer erkranken oder gar sterben, weil ich mich von einem solchen Kraut abhängig mache? Möchte ich meiner Tochter eine solche Last aufbürden?  

Also: Schluss. Aus. Ende. Für immer, das stand fest. Und das steht es heute noch. Ich bin mir nie wirklich sicher, aber hier weiß ich garantiert: Ich werde nie (!) wieder so rauchen, wie bisher. Einen evtl. Rückfall will und kann ich nicht ausschließen, aber ich lasse mir mein Leben nicht wieder so von einer Droge bestimmen. 



Es gab dieses Jahr im Freundeskreis bereits einen Vorfall, der mich diesbezüglich sehr nachdenklich gestimmt hat. Ein Freund von mir hat auch vor rd. drei Monaten aufgehört zu rauchen. Und dann lief da neulich so ein schön-schnulziger Film, an dem die Kinder am Bett der kranken Mutter saßen. Der Arztbesuch also war für mich das alles Entscheidende i-Tüpfelchen.


Nun mag man vielleicht denken: Hä? Die hat aber doch ein Kind? 
Ja, hat se. Und in der Schwangerschaft habe ich auch aufgehört zu rauchen. Aber es stimmt einfach nicht, was ein jeder sagt. Es ist nämlich in der Schwangerschaft nicht so supereasypeasy, mit dem Rauchen aufzuhören. Da habe ich mich auch sehr gequält. Aber ich hatte eine ganz andere Motivation. Dumm ist nur, dass ich wieder angefangen hatte.


Jetzt klappt der kalte Entzug viel besser, als gedacht. Ich habe immer gesagt: Wenn ich es schaffe, mit dem Rauchen aufzuhören, dann kann ich wirklich alles schaffen. Denn ich habe es mir unsagbar schwer und qualvoll vorgestellt. Und dabei ist es das gar nicht. Es ist in meinem Fall hauptsächlich das Umstellen von Gewohnheiten. Jegliche Situationen, in denen ich sonst geraucht habe, fallen mir schwer. Habe ich sie aber einmal als Nichtraucher überlebt, wird es leichter. 

Ich weiß, dass das Verlangen nur ein kurzzeitiges Gefühl ist. Das vergeht - auch ohne großartige Ablenkung. Kompensieren muss ich diesen Nikotinverlust trotzdem. Mir fehlt merklich etwas. Es gelingt mir bislang ganz gut mit Essen/Trinken - also mit der Kompensation durch Geschmack - und mit Sport. Ich verspüre nämlich einen großen Bewegungsdrang.


Entzugssymptome bemerke ich aber natürlich auch. Neben dem Verlangen selbst werde ich häufiger wach, brauche weniger Schlaf und bin aktiver. Das war zunächst z. T. sehr angenehm. Mittlerweile empfinde ich das nicht mehr so. Mein Nervensystem ist derart auf Alarmstellung, dass ich mich fühle, wie vor einem Sprint, bei dem ich nur noch auf das 'go' warte. Das geht mit großem Herzklopfen, Schwindel, aufgeregt-sein und gefühlt schlimmerem Tinnitus einher. Aber okay, ich weiß ja, dass es vergeht.



Positive Veränderungen sind es aber, die mich unendlich glücklich machen: Ich rieche und schmecke so viel besser! Also sowohl ich selbst, als auch gefühlt. ;) Ich kann Treppen steigen, ohne groß Verschnaufen zu müssen. Auch beim Joggen macht sich das wirklich sehr extrem bemerkbar. Ich fühle mich unabhängiger, fitter und 'sauberer'. Man könnte fast sagen, ich fühle mich irgendwie gesünder. Also trotz des Schmachts habe ich mein Wohlbefinden bisher bereits sehr gesteigert.

Und - ich sage das selten: Ich bin mächtig stolz auf mich!


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Sonntag, 21. Juni 2015

Alles wissen und doch nichts tun.

Hallo. Ich bin das Flüsterkind und ich bin austherapiert.

Hmm. Nee.
Das fühlt sich für mich immer noch nicht gut an. Und richtig auch nicht.

Heute z. B.
Die letzten Tage war es positiv turbulent. Immer was zu tun, immer Menschen um mich herum. Heute aber ist so ein typischer Sonntag. Ruhig, grau, planlos. Angesichts der gestrigen Feier auch nicht auf dem körperlichen Höchstlevel. Und das sind eben noch Momente oder Tage, an denen ich mich nicht gut fühle: leer, wirr, unwohl. Nun weiß ich, dass auch solche Momente wichtig und normal sind. Und ich werde immerhin nicht mehr gleich panisch. Aber es packt mich eben doch. Und vermeintlich gelerntes Handwerkszeug vermag ich nicht anzuwenden: Ich habe gerade weder Lust zu fotografieren, zu malen oder zu putzen - um mich abzulenken. Gut, ausharren möchte ich in der Situation auch nicht. Also habe ich zumindest schon zwanzig Minuten Yoga gemacht, wenn auch eher schlecht als recht. Denn selbst währenddessen hatte ich so gar keine Lust drauf. Aber scheinbar gehe ich gern offensiv mit Gefühlen/Gedanken um; immerhin schreibe ich hier gerade. Also ziehe ich es wohl vor, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Was also begründet meine derzeitige Stimmung? Ich analysiere mal (scheint mein Hobby zu sein):


  • Die vergangenen Tage waren, so schön sie auch waren, doch sehr anstrengend. Vor allem auch hinsichtlich meines unbändigen Perfektionismus und meines enormen  Anspruchs an mich selbst, Bsp.: Die gestrige Feierei (draußen) konnte dank Regen nicht so schön ausgestaltet werden, wie gedacht. Und ich hatte nicht für jeden Zeit. Ich konnte nicht jeden bedienen o. Ä. Etwas völlig Normales, gerade auch bei dem Umfang, aber mir nagt es am Ego.
  • Ergo: Locker bleiben. Entspannter sein. Und einfach mal sich selbst aus anderer Perspektive betrachten: Ich selbst würde einem anderen Gastgeber eher etwas abnehmen, anstatt Rundumprogramm zu fordern. Warum also gehe ich so hart mit mir um? Ich habe alles so gut gemacht, wie ich konnte. Es waren alle zufrieden. Also: Where is the problem?

  • Das Wetter. Ich will nicht zwingend sagen, ich sei wetterfühlig, aber dieses Ussel-Grau-Herbst-Wetter schlägt mir zumindest auf die Stimmung. Wenn der Sommer zum Herbst übergeht, dann habe ich immer eine solche Phase. Mit Sonne fühlt sich das Leben auch einfach schöner an. Mit Wärme sowieso. Und wenn man beim Blick nach draußen einfach bemerkt, dass da Leben ist.
  • Ergo: Ja, das ist okay. Aber bloß nicht überdramatisieren! 'Einfach' eine sinnvolle bzw. gut-tuende Beschäftigung für drinnen suchen. Man könnte sich z. B. auch mal einen 'Gammel-Nachmittag' auf dem Sofa gönnen. Das fällt mir ziemlich schwer, also einfach mal 'nichts zu tun'. So greife ich dann doch irgendwie immer zum Handy und versuche mich geistig zu beschäftigen. Ich lass' mich gern unterhalten, anstatt selbst für Unterhaltung zu sorgen. Da isses nämlich wieder, das kleine Kind in mir, was von Mama erwartet, bespaßt zu werden. Das ist sicher ein Punkt, an dem ich lange lernen werde. 

  • Studium. Ich mag' es schon fast nicht mehr schreiben: Ich habe keine Lust mehr! Es sind die letzten Meter jetzt, ja. Die schaffe ich auch. Dennoch überschlagen sich da Ansprüche, Ängste, Sorgen, Leistungs- und Zeitdruck in meinem Kopf. 
  • Ergo: Locker bleiben (DAS sollte mein neues Motto werden). Egal, wie viel ich nachdenke, ohne aktives Tun in meinen Möglichkeiten ändert sich sowieso nichts. Es wird nichts besser oder schlechter, wenn ich mich gedanklich überschlage. Eins nach dem anderen - begleitet vom Vertrauen in sich, dass es wird. Und am Ende auch gut.


Ich könnte diese Liste wohl noch um beliebige Punkte fortsetzen, aber im Grunde würden sie sich immer gleichen: Mit Ausnahme weniger Umweltfaktoren liegt der Ursprung aller Gefühle in mir. Insbesondere im Umgang mit mir selbst; in meinen Ansprüchen. Und es ist total super, dass ich das weiß und immer wieder darauf komme. Und überhaupt ist es toll, dass ich mich selbst gut analysieren und reflektieren kann. Auch, dass ich sogar Lösungsvorschläge habe. Warum ich aber trotzdem zu selten dazu komme, solche Lösungen auch anzuwenden und mich insgesamt lockerer zu verhalten und betrachten, das weiß ich auch nicht. Und genau das ist es, wo ich immer noch zu gern therapeutisch ansetzen lassen würde.



Samstag, 13. Juni 2015

Selbstgespräch

Ich merke immer mehr, dass ich versuche, sämtliche Symptome zu einer Krankheit zu formen, um krank zu sein. Wie krank ist das denn? Herrje, wie mich das nervt! Das ist wohl die Struktur in meinem Kopf, wie ich Aufmerksamkeit und Fürsorge bekomme - indem ich einfach krank bin. Irre ist das!



Daher hör mir mal zu, mein lieber Körper:

Du bist super, so wie du bist!
Das, was ich so oft bemängel, sind Luxusprobleme. Denn du trägst mich durch mein Leben, funktionierst einwandfrei und murrst nur ab und an, wenn Feind & Erreger XY mal eins vorbeischaut. Und dass du funktionierst, mir meinen teilweise nicht so gesunden Lebensstil und zu wenig körperliche Betätigung verzeihst, das ist es, worauf es ankommt. Die "Hülle" ist on top.
Dass ich vieles deiner Zeichen noch nicht richtig deuten kann, das nimm' mir bitte nicht übel. Ich will lernen, dich besser zu verstehen. Mehr bzw. richtig auf mich zu achten, ohne zu übertreiben. Dazu brauche ich nur noch etwas Zeit.

Und du, liebe Seele:

Du bist prima!
Du lässt mich empathisch, taktvoll und freundlich sein. Hast viele Verletzungen einstecken müssen und kannst trotzdem noch tanzen, lachen und teilweise sogar jubeln. Du versuchst, die Narben und Missstände mit mehr Reife, Liebe und guten Gefühlen zu übertünchen. Ich bin da manchmal ungeduldig und mag die Farbe ganz schnell raufträufeln. Doch dann blätterte sie irgendwann immer wieder ab. Dieses Mal nicht. Du hast Zeit. Nimm' sie dir. Sieh' all das Gute im Jetzt, damit das Schlechte von früher verblasst. Ich bemühe mich auch bei dir, auf dich so achten, wie du es brauchst.

Und nun mal kurz im Ganzen zu mir:

Mach' dich nicht kleiner, als du bist. Hör' auf, immer alles schwarz zu malen. Unterlass' es, unglücklich sein zu wollen. Freu dich, dass du gesund bist. Dass du eine Familie hast. Dass du beruflich voran kommst. Dass du tolle Freunde hast. Dass du jeden Tag zu einem Guten machen kannst, dass du jede Stunde die Möglichkeit hast, etwas für dich zu tun. Mach es bewusst. Steh für dich ein. Achte auf dich - und nicht auf Ansprüche der Anderen. Und - am Wichtigsten: Vertraue dir. Dir, deiner Seele und deinem Körper. Dass du gesund bist und dass du alles schaffen kannst - wenn du es willst.




Diese Art von 'Dialog im Monolog' brauche ich, wenn ich mal wieder einen Punkt finde, an dem ich mich schlecht-fühlend aufhängen kann. Ich versuche und möchte einfach fürsorglich mit mir umgehen, was ich tatsächlich noch lernen muss.

Seit einer Weile schon mache ich das insbesondere vor dem Einschlafen - mittels Affirmationen:

  • Ich liebe mich, so wie ich bin.
  • Ich fühle mich wohl.
  • Ich fühle mich jeden Tag besser.
  • Ich mag mich.
  • Ich bin gesund.
  • Ich bin zufrieden.
  • Ich bin glücklich. 
  • Ich bin bei mir.



Es ist durchaus möglich, öfter so etwas von mir nun hier zu lesen. Ich brauche aktuell einfach noch 'etwas' für meine Gedanken.





Sonntag, 7. Juni 2015

Der kleine Optimismus

So.
Da habe ich nun einige Tage in der Gewissheit, quasi austherapiert zu sein, hinter mich gebracht. Komisch ist das irgendwie. Ich kann mich noch nicht entscheiden, wie ich das finde. In dem einen Moment beflügelt mich das, in dem anderen Moment bringt mir das große Unsicherheit.

Es bleiben noch Fragen offen. Zum Beispiel jene, wie ich mit mir in Situationen der Unsicherheit und Angst umgehe. Wie ich die Strukturen in meinem Kopf ändern kann. Denkmuster und Verhalten. Nun möchte ich keinesfalls das perfekte Ebenbild des Menschen werden. Und ich komm' bestens damit klar, eine 'Störung' zu haben - das bin eben ich seit eh und je. Aber ich möchte natürlich alles mir mögliche tun, um mich gut zu fühlen. Nur weiß ich oft nicht, wie das geht. Irre oder? Weiß man doch eigentlich.



Ich bastel aktuell noch an meinem kleinen Handwerkskasten, den ich dann immer bei mir trage. Schon vor dem Therapieende habe ich begonnen, mir eine Liste anzulegen. Mit all den guten Dingen, die meine Aufmerksamkeit lenken, die mich entspannen und z. T. auch beruhigen.

Ich will den kleinen Optimismus mal aus der dunklen Ecke herausholen und pflegen. Damit er groß und stark wird. So wie ich dann auch. Und das kleine Mädchen in mir, was so glückliche Tage noch nicht ganz verkraftet.