Dienstag, 23. September 2014

Im Himmel.

Kinder sind so wissbegierig. Das ist oft für die Eltern selbst ganz spannend - wenn man dann doch mal dies oder jenes googlen muss - aber teilweise auch recht schwierig. Denn es gibt Themen, da habe ich so meine Schwierigkeiten. Dazu gehört auch das Thema Tod, was meine Tochter seit einiger Zeit und glücklicherweise ohne aktuellen Anlass jedoch sehr interessiert. Da tönen immer wieder die gleichen Fragen:


"Wo im Himmel ist denn mein Uropa?"

"Was macht der denn da?"

"Kann man da auch aufstehen? Fällt man da nicht runter?"

"Und man kann da auch gehen? Und spielen?"

"Wie kommt man denn in den Himmel? Und wie geht das?"

"Kommen nur Omas und Opas in den Himmel?"

"Aber warum gibt es einen Friedhof?"

"Ich mag gar nicht. Dann muss ich ja all' meine Kuscheltiere verlassen."





Ich muss gestehen: Ich weiß auf diese Fragen/Aussagen keine gute Antwort und versuche, sie bestmöglichst zu umgehen. Aber das führt ja zu nichts: sie fragt erneut. Aber was genau erzähle ich ihr da am Besten? Die Wahrheit? Auf kindliche und leicht geschönte Art? Oder bleibt man bei der Himmels-Geschichte, wo es allen richtig gut geht? Wobei ja auch tatsächlich niemand weiß, was "danach" passiert. Und überhaupt: Muss ich ihr das jetzt schon so richtig begreiflich machen? Dr. Google wirft mir dazu einige Buchempfehlungen aus. Hat da jemand von euch vielleicht den ein oder anderen 'erprobten' Buchtipp?



Mittwoch, 17. September 2014

Ein Land. Eine Insel. Große Liebe. Rømø!

Heute möchte ich mal mitnehmen: in den Urlaub. Genauer gesagt: auf die Insel Rømø.

Diese Wattenmeerinsel in der Nordsee beeindruckt bereits bei der Ankunft über den Rømø-Damm. Etwa 10 km führt der Weg quer über's Wattenmeer. Die Hauptattraktion der Insel aber ist (für mich) eindeutig die Breite der Strände. Nirgends in Europa gibt es Strände gleicher Breite. Bis zu 6 km ist der Strannd (sog. Sønderstrand) breit, etwas weniger in dem Touristenort Lakolk. Alle Strände sind mit dem Auto uneingeschränkt befahrbar - ein Highlight, sage ich euch. Insbesondere, wenn man weit Richtung Meer fährt, fühlt man sich wie auf einem anderen Planeten. Feiner und weicher, dennoch fester und steinfreier Sand. Kilometerweit. Hin und wieder durch Dünen durchbrochen. Ich bin immer wieder schlichtweg geflasht.

Rømø hat einiges zu bieten: In/Am Sønderstrand ist das Paradies für Strandsegler und Buggykiter (und Drifter) Zuhause. Aber sowohl dort als auch am Strand in Lakolk liegen die beliebten Strecken für Reitausflüge. Mit Drachen, Badesachen oder Gummistiefeln, Hunden und auch mit Sandspielzeug ist man an den Stränden hier immer gut aufgehoben. In Havneby (südlichster Ort der Insel) lässt es sich ein bisschen shoppen und schlendern, den Hafen begutachten und gut essen. Havneby bietet außerdem einen großen Golfplatz. In Kongsmark (weiter nördlich) ist ein "Play & Horse Park" angesiedelt, dessen Eingang ich noch nie gefunden habe (???). Lakolk (zentraler Ort der Insel) bietet eine kleine Meile zum Bummeln und Shoppen und - ganz wichtig - zum Eisessen. Dänisches Softeis ist ein Muss - es schmeckt mir nirgends besser (gern auch mit Lakritz-Guss). Außerdem mag ich das Lakritz-Kugeleis zu gern. Neben einem schönen großen Campingplatz kann man in Lakolk auch wunderbar durch die Dünen zum Strand reiten. In Juvre (nördlichster Ort der Insel) ist ein Museum angesiedelt und ein Angelteich vorzufinden  - an den ich mich bislang aber nicht getraut habe. Weiter nördlich ist nur noch der Truppenübungsplatz.



Die ersten beiden Tage unseres Urlaubs hatten wir eher herbstliches Wetter - mit viel Regen. Finde ich im Grunde nicht schlimm, aber leider ist der Sønderstrand dann auch entsprechend nass und nicht so gut befahrbar. 


Dennoch zum Pfützenspringen ideal - während man selbst im geöffneten Kofferraum sitzt und den Autofahrern bei ihren durchaus sehenswerten Fahrmanövern und Rennen zuschaut.




Das Wetter besserte sich auf sommerliche Temperaturen. Da machte es Spaß, Drachen steigen zu lassen.


Auch die Gummistiefel konnten weichen und mit nackten Füßen war die Nordsee sehr angenehm.





Die etwa 30 km entfernte Stadt Ribe (Festland) ist die älteste Stadt Dänemarks und einen Besuch wert. Für mich gehört sie zu den schönsten Dänemarks. Hier gibt es übrigens auch den "Tiger-Store", der von mir - zum Leidwesen aller - bei jedem Urlaub in Dänemark ersucht wird (gibt es mittlerweile auch in Deutschland).





Meine Tochter hat auf Rømø bereits im Frühjahr die Ponyliebe für sich entdeckt und sieht sich gern auf dem Rücken dieser schönen Tiere. Unsterblich hat sie sich dabei in "ihr" Pony Charly verliebt - ein halbes Jahr wurde von nichts anderem gesprochen. Auch dieses Mal sollte sie Charly wieder durch die Dünen zum Strand führen. Allerdings wurde er zwischenzeitlich verkauft - weshalb sie nach dem Trocknen der großen Krokodilstränen mit Kai Vorlieb nehmen musste. Kai aber war eher ein gemütlicher Zeitgenosse, der den Weg nutzte, um alle 5 Meter eine große Portion Gras zu fressen. Nunmehr ist auf Kindesseite die Ponyliebe etwas getrübt. Die kleine Ponyfarm in Lakolk ist  trotzdem wirklich empfehlenswert: Für 14 EUR darf man Pony oder Pferd für eine Stunde selbst führen bzw. reiten und bekommt vorab eine sehr freundliche Einweisung.



Auf dem Weg zum Strand hatten wir dank des gefräßigen Kai genügend Zeit, dänische Kühe genauer zu begutachten.





Ist man einmal auf Rømø, ist es ein ungeschriebenes Gesetz, einen Sonnenuntergang am Strand zu erleben. Wie die Abendsonne den ganzen Sand in goldfunkelnde Steinchen verwandelt, habe ich versucht, einzufangen. Es ist ein fantastisches Licht und eine wirklich stechende, aber wunderschöne Sonne, die sich und den Himmel langsam verfärbt. Hach ...






Sylt liegt etwa 6 km von Rømø entfernt und kann durch die Sylt-Fähre problemlos von Havneby aus erreicht werden. Die Fähre (auch für Pkw geeignet) benötigt für einen Fahrpreis von 10,20 EUR für Hin- und Rückfahrt etwa 40 Minuten bis zum Anlegen in der nördlichsten Gemeinde Deutschlands: List. Während der Fahrt sollte man sich ruhig oben ans Deck setzen, denn dann besteht die Möglichkeit, auf den Sandbänken Robben zu sehen (so erspart man sich auch die "Robbentour" von Sylt aus für 18 EUR).



List selbst ist entlang des Hafens und Strandes auf Touristen spezialisiert. Es wird zur Tradition, dass ich zunächst in der "Alten Tonnenhalle" meine bunte Tüte an Gummitierchen mische und kurz darauf ein Fischbrötchen bei "Gosch" esse. Sofern man keine Inselrundfahrt (m. E. zu teuer) oder andere touristische Aktivitäten mitmacht, bleibt nur der Aufenthalt in unmittelbarer Küstennähe. Neben vielen netten Läden gibt es dort die "Erlebniswelten Naturgewalten" - wir haben uns das bislang aber nicht angesehen. Stattdessen zog es uns zum sehr hellen Sand am Strand und damit auch zum Muschelsuchen. 


Dies hier ist übrigens der nördlichste Punkt Deutschlands.





Bei meinem letzten Urlaub auf Rømø war ich bereits den Strandseglern verfallen, konnte aber nirgends finden, wo ich das für welchen Preis machen konnte. Nun schlug meine große Stunde aber am letzten Abend: Wir sahen einige unbesetzte "Blokarts", fuhren hin und fragten an: Ich konnte sofort loslegen. Nach Anlegen der Schutzausrüstung, bestehend aus Helm, Brille und Handschuhen, bekam ich eine Einweisung in die Art und Wirkung der Winde. Ich war so aufgeregt, ich habe - glaube ich - nicht mal zugehört. Nachdem mir dann noch kurz die Technik der Blokarts erklärt wurde, konnte ich direkt auf der Übungsstrecke lossegeln. So muss sich Freiheit anfühlen. Der Wind weht um die Nase, während man schneller und schneller wird. Und letztlich an der Pylone, die zum Wenden anweist, stehenbleibt. Der erfahrene Strandsegler kam mir hinterher "gesegelt" und gab mir die richtigen Anweisungen. Dadurch, dass mittels eines Seils das Segel stets straff gehalten werden muss, ist ein ordentlicher Kraftaufwand nötig. Das habe ich vollkommen unterschätzt. Meine Hand schmerzte noch eine Weile nach meinem Freiheitsglück. Aber das war es wert - es macht unbeschreiblich viel Spaß, wenn man erstmal den Dreh raus hat. Sehr sehr empfehlenswert. Eine Stunde kostet samt Ausrüstung übrigens erschwingliche 30 EUR. 



Außerdem hatten wir am letzten Tag das Glück, das Drachenfest (in Lakolk) mitzuerleben, was immer am ersten Wochenende im September stattfindet. Ich nehme an, die vielen Drachen am Himmel hätten mit Sonnenschein noch besser gewirkt. Dennoch war dies so bereits sehr imposant und auch spannend zu sehen, was es für Drachen gibt.







Eine weitere, für mich typische dänische, Attraktion sind die Hüpfkissen auf Spielplätzen. Das macht nicht nur den Kindern Spaß!



 Unbebildert blieben hier die traditionellen Angelausflüge. Ich angle leidenschaftlich gern, besitze aber keinen Angelschein, weshalb ich in Deutschland diesem Hobby nicht fröhnen kann. In Dänemark geht das aber trotzdem an sog. Forellen-Puffs. Empfehlen kann ich den Renbæk-Fiskesø - gelegen auf dem Festland (etwa zwanzig Minuten Fahrt). Obwohl ich diesen Teich im Frühjahr noch als "langweilig" empfand, war er dieses Mal eine Goldgrube. Aber auch der Arrild-Fiskesee ist einen Besuch mit Rute und Haken wert. Dieser Teich liegt inmitten eines Ferienparks, weshalb sich hier das Angeln mit Familie bzw. Kindern erst recht lohnt - dort ist jeder beschäftigt.



Ich hoffe, euch einen kleinen Eindruck in meinen Urlaub auf der Insel vermittelt haben zu können. Wenn es euch mal nach Dänemark verschlagen sollte, so kann ich euch nur empfehlen: Besucht Rømø!



Donnerstag, 28. August 2014

Ein Mann im Glücksrausch.


Erinnert ihr euch an: Ein Mann, eine Liebe, ein einsames Leben ? Heute gibt es die Fortsetzung.

Er und seine alte Liebe - nennen wir sie Moni - schrieben sich regelmäßig Briefe bzw. vielmehr schrieb sie ihm. Bis er sich plötzlich ein Telefon kaufen wollte. Ganz euphorisch und begeistert. Die Bedienung des Gerätes fiel ihm erstaunlich leicht. Seitdem telefoniert er wie ein Weltmeister - auch mit mir. Rührend, wie mein sonst so verstummter Großonkel am Telefon erzählt - einfach so, ganz banale Dinge. Die Hauptgesprächszeit aber widmet er seiner Moni. Seit einem guten halben Jahr telefonieren beide dreimal täglich. Und auch wenn mir der Gesprächsinhalt unergründlich ist, so sind diese Telefonate zu seiner festen Tagesroutine und zu seinen Tageshöhepunkten geworden. Die gute Moni erteilt aus der Ferne hilfreiche Ratschläge, was mein Großonkel Gutes für sich tun soll - und er befolgt diese.

In Gesprächen mit meiner Oma kündete sie bereits vor einiger Zeit einen Besuch Ihrerseits an. Nachdem sich ihr Besuchswunsch nun konkretisierte, beschlichen mich die ersten Zweifel. Denn eine wesentliche Info war mir bis dahin entgangen: Moni, die in der anderen Ecke Deutschlands lebt, ist nämlich verheiratet. Was also will diese Frau hier? Alte "Freundschaften" beleben? Oder sich doch nochmal verlieben? Oder - und es sei mir verziehen, wenn ich hier (hoffentlich) total falsch liege - Geld? Dieser Gedanke weicht heute noch nicht von mir.

Nach einer langen Reise konnten sich beide vergangenen Samstag nach etlichen Jahrzehnten in die Arme schließen. Es soll ein herzliches Wiedersehen gewesen sein, hab ich mir sagen lassen. Und ein ebenfalls herzliches Miteinander seitdem. Meine Oma ist nicht nur von Moni ganz angetan, sondern auch von dem Umgang zwischen ihr und meinem Großonkel - so kenne meine Oma ihren Bruder gar nicht. Moni nimmt meinen Großonkel bei der Hand, sie spazieren, sie kaufen ein, sie kochen und backen, sie schwelgen bei einem Gläschen Wein in Erinnerungen. Sie scheinen eine tolle Zeit zu verleben, die insbesondere für meinen Großonkel einmalig ist. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr ich mich freue, dass ihm dieses Glück für fast zwei Wochen zuteil wird. Mögen die Tage bis zu ihrer Abreise unendlich sein. Damit mein Großonkel nach Jahren des Alleinseins und des Verstummens dieses große Glück und diese herzerwärmende Zeit noch ganz intensiv genießen kann.

Morgen darf ich Moni kennen lernen. Ich bin so gespannt und hoffe so sehr, dass mich letzte Zweifel verlassen.


Montag, 4. August 2014

roundabout.

Habe seit etwa zwei Wochen Ferien. Könnte mich freuen und glücklich schätzen. Immerhin ist dieses Jahr der Sommer gut. Und ich habe das erste Mal seit etwa 9 Monaten so richtig frei. Aber eben auch mental frei. Nix ach so wichtiges, worauf ich mich konzentrieren könnte. Da fühlt sich das Gedankenkarussel wieder angetrieben. "Ach komm, Flüsterkind, irgendwas haste. Dir tut doch irgendwas weh. Irgendein Problem finden wir schon." Haben wir. Zweifelsohne. Da darf man sich sogar eins aussuchen. Rein körperlich sind es gerade die Augen/Ohren/der Kopf. In der Prüfungsphase war ich vor Verspannung nahezu steif, hatte zweimal Flimmern in den Augen und nun verbleibt eine Andersartigkeit des Sehens mit Druckgefühl. Aber ich hab ja gelernt, nicht gleich zum Arzt zu rennen. Allerdings fühle ich mich mit ärztlicher Abklärung sicherer. Zudem hoffe und spekuliere ich drauf, dass ich mir das sowieso nur einbilde. Und das hochpushe. Mich reinkatapultiere in diesen Teufelskreis des in-sich-horchen. Es nervt einfach nur noch. Ich hätt' mich gern im Griff, würde zu gern normal mit Befindlichkeiten umgehen und nicht gleich ins Katastrophendenken geraten.

Die Psychohygiene verläuft seit einer Weile sporadisch. Momentan hätt' ich sie aber gern regelmäßiger. Zuletzt sind wir auf den Nenner gekommen, eine Traumatherapie zu beginnen bzw. Ansätze dessen anzuwenden. Meine Panik und mein Hypochonder-/Nosophobiker-/Wasauchimmer-Dasein sei gewissermaßen auf das Geburtserlebnis zurückzuführen. Finde ich nicht so abwegig. Ich habe auch nach fünf Jahren nicht vergessen, wie schlimm sich das anfühlte. Damit meine ich nicht nur die Schmerzen, sondern dieses Ausgeliefertsein. Nichts tun zu können. Es einfach ertragen. Grauselig.

Zu meinen Eltern könnte ich abermals Romane schreiben. Seit meinem BA haben wir sehr selten Kontakt - nachzulesen hier. Mich stört das irgendwie kaum, zumindest dann, wenn ich nichts höre und sehe. Gesehen haben wir uns aber anlässlich des Geburtstages vom (Stief-)Vater. Da war mir ja schon drei Tage vorher schlecht. Auch, weil wir ein recht kleiner Kreis waren und u. a. auch die Kackoma (=Stiefoma) zugegen war. Da zieh' ich mir rein automatisch den "Achjaichbinjagenausoverlogenwieihrundzeigeheutewietollichbin"-Schuh an. Verhaltensmuster und so. Meine Mutter und ich verfielen kurzzeitig in eine Art Gespräch, das mit einem Vorwurf begann: "Na du meldest dich ja auch nicht mehr." "Nö, du weißt ja auch warum." "Warum denn?" Böser Blick meinerseits. "Ich werd' euch doch nicht auf die Nerven gehen mit meinen Anrufen." "Genau, deswegen hab' ich ja so oft um Interesse deinerseits gebettelt, weil du mir letztlich damit auf die Nerven gehst. Kann hier ruhig jeder wissen, dass du dich nicht für uns interessiert - aber das interessiert hier ja auch niemanden." Spätestens ab diesem Zeitpunkt war ich das Feindbild des Abends. Das verstärkte sich aber sicherlich, nachdem ich u. a. meinen (Stief-)Vater als bescheuert betitelte. Meine Tochter hat große Angst vor handtellergroßen Krabbelkäfern, so wie jener, um den sie dort einen Bogen machte. Wenn ein erwachsener Mann einem offensichtlich ängstlichem Kleinkind mit den Rufen "Schnell, er kommt hinterher. Schnell, lauf!" hinterherrennt, darf ich an der geistigen Fassung eines Solchen zweifeln. Zwei Minuten später saß ich mit weinendem Kind im Auto und war auf dem Heimweg. Diese Menschen sind unmöglich.

Habe heute meiner Oma (84) mein altes Netbook übergeben und ihr eine Kurzeinweisung gegeben. Sie wolle sich beschäftigen. Schreibmaschine konnte sie schon immer gut schreiben und außerdem ist dieses Internet doch so toll. Niedlich. Und ich bin sicher, sie hat den Dreh bald raus.
Seitdem sie ohnmächtig im Bad zusammenbrach und u. a. ein blaues Auge davon getragen hat, schaut meine Mutter recht regelmäßig bei ihr vorbei - so ca. einmal in zwei Wochen. Wundersam. Aber auch dabei sorgt sie für einen lebendigen Blutdruck meiner Oma. So erfuhr ich heute, dass meine Mutter von meiner Oma und meinem Großonkel mehr oder minder direkt 'verlangte', etwaiges Vermögen bereits jetzt an sie i. S. d.  Schenkung zu übergeben, um damit letztlich auch Steuern sparen zu können. Zudem würde dieses Vermögen ohnehin nicht von den potentiellen Erblassern benötigt. Außerdem solle meine Oma bedenken, dass das Erbe für eigene Kinder gedacht ist - und eben nicht für Enkelkinder. Sie würde auch mit meiner Oma und meinem Großonkel den Weg zum Notar antreten, denn ein handschriftliches Testament ohne Beurkundung sei ohnehin nicht wirksam. Nun, diese Äußerungen sind in rechtlicher Hinsicht ja von mehr als nur Dummheit geprägt. Viel schlimmer ist aber der Sinn & Zweck dieses Kasperletheaters. Ich kann nicht verstehen, wie jemand der eigenen Familie gegenüber so kriminell agieren kann? Diese Frau treibt mich in den Wahnsinn. Das war nicht das erste Mal. Bereits vor einiger Zeit warf sie meiner Oma vor, dass der Betrag, den sie mir zu meinem Auto dazu gegeben hat, von meinem Erbe abzuziehen und auf das von meiner Mutter und meinem Bruder draufzuschlagen sei. Es ist mir unbegreiflich, welche Gehirnwindung da falsch gepolt ist. Aber Geld war ja schon immer wichtiger als eigen Fleisch & Blut. Sieben Jahre, in denen ich bei meiner Oma lebte, hat sie sich das Kindergeld eingehamstert und uns lediglich etwa 80 EUR überwiesen.

Ich weiß manchmal gar nicht wohin mit meiner Ohnmacht, Wut, Traurigkeit, Resignation.


Donnerstag, 3. Juli 2014

Gib' mir einen Vater.

Mir hat in Kindestagen viel gefehlt. Vor allem die Liebe der Eltern. Die der Mutter hatte ich hin und wieder: immer dann, wenn der "Vater" außer Reichweite war. Aber die des Vaters - die hatte ich nie. Weder Respekt, noch Herzlichkeit noch Liebe. Ich weiß daher gar nicht, wie sich das so anfühlt. So 'ne Vaterliebe. Klar, sie ist in den seltensten Fällen so übertrieben, wie in Filmen. Aber ein bisschen was davon stimmt, oder? Dass man des Vaters (kleine) Prinzessin ist? Dass der Vater das Fahrradfahren lehrt? Oder das Schwimmen? Dass er ein bisschen Trost beim ersten Liebeskummer spendet? Oder einfach nur - liebend - da ist?
Ich hatte leider nie die Wahl. Ich konnte nie sagen "Is' der Stiefvater doof, dann hab ich ja noch meinen 'richtigen' Vater." Den hab ich. Aber nur rein biologisch. Ich habe ihn das erste Mal nach meinem unfreiwilligen Auszug - also mit 15 - gesehen. Ich war angetan. Habe auch zwingend nach elterlicher Zuneigung gesucht. Er versprach mir das Blaue vom Himmel. Erklärte sich. Die Situation. Warum er mir nie zum Geburtstag gratulierte. Und warum er nie Kontakt suchte. Aber das sei nun anders. Er käme mich regelmäßig besuchen. Pustekuchen. Ein Telefonat später herrschte seinerseits absolute Funkstille. Bis ich 18 war und selbst meinen Unterhalt einklagen konnte. Da entsinnte er sich wieder, wer ich bin. Kannte sogar meine Nummer - die er allerdings missbrauchte: Er bot mir in einem Telefonat an, dass ich sofort (!) zu ihm ziehe. Er würde mich bestmöglichst versorgen. Ich verneinte sichtlich überraschend. Am Ende war dies nie sein Wille, sondern nur blöde Masche, um sich Unterhaltsverpflichtungen zu entziehen - wie ohnehin seit 28 Jahren. So entlarvte sich spätestens zu diesem Zeitpunkt der Mann, in den ich noch Hoffnung als mögliche Familie steckte, als Wichser in Missbrauchsstellung. Wie immer war ich - und das war schon gut - Mittel zum Zweck.

Schicksal gibt es. Davon bin ich überzeugt. Denn meine Ausbildungsstelle lag direkt gegenüber seiner Wohnung. In drei Jahren sah ich ihn kein einziges Mal. Ich habe es auch nicht darauf angelegt. An einem meiner letzten Arbeitstage infolge der Ausbildung wagte ich den Gang zu ihm - zwecks des auszufüllenden BAföG-Antrages. In Unterhose und Hemd stand er vor mir an der Tür. Der Hintergrund glich einem verkommenen Haushalt. Er bat mich rein. Ich verbrachte ... ich weiß es nicht mehr. "Die ganzen Jahre warst du hier? Und du hast dich nicht einmal gemeldet? Du hast dich all' die Jahre nie um mich gekümmert?" So entsetzt ich auch war, so sehr tat er mir auch leid. Arbeitsloser Nichtskönner (sorry!), der allein in einer versifften Bude lebt und sich einen Scheiß' um seine drei (!) Kinder kümmert, stattdessen aber in umgekehrter Rolle das Bemühen des Kindes erwartet.
Ein, zwei, drei Tage später brachte er mir den Antrag ausgefüllt zurück. Zu meinem Arbeitsplatz. So schnell ich auch wollte, konnte ich mich nicht verstecken. Aber ich habe ihn schnell und dank Hilfe abwimmeln können. Er hat gespürt,dass ich ihn nicht da haben wollte.

Das war unsere letzte Begegnung.
Ich informierte ihn nach der Geburt meiner Tochter. Samt meiner neuen Kontaktdaten. Die Antwort auf eine damit verbundene wesentliche Frage schickte er mir auf einem Papierschnippsel, geschrieben mit Bleistift, zurück. Ohne Glückwünsche o. Ä. Aber mit der Mitteilung, dass er krank sei.

Heute habe ich unterschiedliche Ansichten von diesem Mann. Rein oberflächlich ist da eine ganze Menge Wut und Enttäuschung. Tiefgehend ringe ich hin und wieder mit mir, mal ein Bild meiner Tochter zu senden. Oder einfach mal zu fragen, wie es ihm geht. Und ob es ihn noch gibt. Aber es siegt das Nichtstun. Weitere Enttäuschungen muss ich mir nicht einfangen und so bin ich dahingehend doch sehr gern oberflächlich. Nur hin und wieder, an solch' Tagen wie heute, überkommt es mich. Gekoppelt mit Verletzungen durch meinen Stiefvater, dem ich zwar herzlich egal bin, aber den ich immerhin seit dem dritten Lebensjahr kenne, kann das manchmal schon weh tun.

Ich wünsche mir einen Vater. Aber Wünsche erfüllen sich nicht immer. Daher formuliere ich meinen Wunsch neu: Ich wünsche meiner Tochter einen tollen Vater. Ich wünsche ihr, dass sie ihren Vater stets für sich hat. Dass sie mit ihm Freud und Leid teilen kann. Und dass sie irgendwann in bestimmten Sachen lieber mit dem Papa spricht, als mit mir.