Mittwoch, 1. April 2015

Wachstum.





Ich und mein kleines Zimmergewächshaus.
Eigentlich eine Anschaffung für die Tochter. Und sie hat auch ihre Freude damit ("Boaaah, Maaaamma - guck' doch mal!"). Aber ich irgendwie auch total. Das hat so was Erfrischendes. Morgens zu sehen, was über Nacht doch alles passiert ist. Wie viel Kondenswasser sich bildet. Wie groß welche Pflanze geworden ist. In rund 9 Stunden passiert so viel, dass man meint, man könne beim Wachsen zuschauen.

So, wie diese Pflänzchen täglich sichtbar wachsen, so würde ich auch meine Fortschritte gern beobachten. Denn die sind mir ganz oft gar nicht klar. Stattdessen meine ich in unwohlen Situationen, dass ich damit immer noch nicht umgehen kann. Aber wenn ich genauer darüber nachdenke, stimmt das gar nicht: Ich kann sehr wohl schon sehr viel besser mit vielem umgehen. Und darauf darf ich stolz sein. Wo mich vor Jahren noch ein ungutes Gefühl direkt in eine enorm panische Reaktion trieb, verbleibt heute 'nur' eine Gedankenspirale, die mehr und mehr - wenn auch langsam - an Ausmaß und Wirkung abnimmt. Ich wünsche mir, dass es so weiter geht. Dass ich meine Gedanken steuern lernen kann, jetzt lebe ohne zu bewerten und meine Körpersprache besser deuten kann.
Kennst du deine Körpersprache?














Montag, 9. März 2015

Genverwurzelt.

Eine Woche Urlaub im Kontrastprogramm liegen hinter mir. Das aufregende, vielfältige und heißgeliebte Berlin wurde mit einem Wohlfühlaufenthalt auf dem menschenleeren, ruhigen und etwas lahmen Darß gepaart. Wo ich mich nach all dem Stress zunächst vielmehr auf die Ostsee freute, war es am Ende Berlin, das mir gut tat.


Dazu hat auch beigetragen, dass ich in Berlin zum zweiten Mal in meinem Leben meinen (Halb-)Bruder sehen durfte. Erstmals sahen wir uns vor fünf Jahren, als er mich besuchte. Ich schrieb es schon via Instagram: Es war wirklich filmreif, als ich ihm auf dem Bahnsteig schon mit Tränen in den Augen entgegen lief. Es war damals bereits sehr schön und erschreckend, wie ähnlich man sich optisch und charakterlich ist und dennoch abstrus, weil man sich eigentlich fremd ist. Das ist wohl auch der Punkt, weshalb der Kontakt dann zwar weiter bestand, aber sehr sporadisch verlief. Umso mehr freu(t)e ich mich, dass wir uns wiedersehen konnten. Ich war den ganzen Tag endlos aufgeregt. Empfangen hat uns seine - mittlerweile - Ehefrau und sein kleiner Sohn. Beide mochte ich sofort. Mein Bruder, der übrigens nur 355 Tage älter ist, als ich, kam wenig später. Und wir hatten einen schönen Abend - wenn es auch einfach immer komisch bleibt. Aber wenn man sich in den Arm nimmt, bleibt da einfach etwas innig verbundenes, etwas, das man einfach schwer beschreiben kann.

Da wir den gleichen Vater haben, konnte ich in dem Zuge auch ein aktuelles Bild von ihm sehen. Kontakt zu ihm haben aber wir beide nicht. Und auch unsere gemeinsame Schwester nicht: Sie ist im Ausland aufgewachsen und studiert dort mittlerweile (lustigerweise mein Studienfach). Wir alle drei hoffen sehr, dass wir uns noch in diesem Jahr zu einem 'Geschwister-Kennenlernen' treffen können. Denn unsere Schwester haben wir beide noch nie gesehen.


Meine Familienverhältnisse sind natürlich insgesamt nicht so einfach. Und das hat mich nicht nur geprägt, das wird mich auch immer begleiten. Wichtig ist nur, dass ich darauf nicht zu sehr das Gewicht lege. Immerhin kann ich dazu beitragen, dass in meiner eigenen kleinen Familie alles besser und letztlich gut wird. 


Und doch ist es gerade die Familie, über die ich nachdenke. Vielleicht erinnert ihr euch an Tante Lotti? Sie ist leider vor Kurzem verstorben. Das trifft natürlich ganz besonders meine Oma - und es scheint, als sei sie die "letzte Übriggebliebene". Natürlich plagen auch sie Altersgebrechen. Aber zum Glück nichts Dramatisches. Dennoch saß neben mir am gestrigen Kaffeetisch eine offensichtlich zusammengefallene Frau. Der Anblick war für mich schon schlimm genug, on top setzte sie aber noch die ihrer Meinung nach zwingenden Gespräche zum Thema Tod und Erbfall an. Geht gar nicht! Ich will darüber nicht einmal nachdenken - und tue es doch. 







Nun aber werde ich die Zeit nutzen, um mir selbst gut zu tun. Ich habe in diesem - wohl hoffentlich letztem Semester - viel Zeit, um meinen Tagesablauf bedürfnisnah zu gestalten. Und da ich nicht wieder in alte Muster verfallen will, tue ich was - neben der Master-Thesis.



Habt es fein!

Sonntag, 22. Februar 2015

Synapsentraining.

Die Prüfungen liegen hinter mir - und damit die vermutlich stressigste Zeit. Dass ich diese überstehe, hätte ich vor Kurzem wirklich nicht gedacht. Dabei hat so ein aufgezwungenes Tun ja auch immer etwas Positives: Man ist abgelenkt von sich selbst. Der Fokus auf "all mein Leid" kommt aber zurück. Zwar bin ich noch gut 5 Tage intensivst mit einer Hausarbeit befasst, aber die Phasen der Grübeleien nehmen zu. Sodass ich wieder mehr zum Ich werde. Ich habe Tage, an denen finde ich das gut. Da mag ich mich und mein Leben. Aber es gibt da auch die andere Seite: Tage, an denen ich mehr als bequem bin, mir zu allem die Lust fehlt und leider auch des Öfteren die Freude. Ich bin ungern mit mir allein, weiß nichts mit mir anzufangen und finde dann auch meinen Tinnitus wieder ganz schlimm. Leere, aushöhlende und ängstliche Gefühle steigen da auf. Die Gedankenspirale wird angekurbelt: Ob ich wohl doch einen Hang zu Depressionen habe? Was, wenn ich so richtig krank werde? Was ist meine Bestimmung? Was tut mir gut? Was macht mich glücklich? Das, was ich hier gerade führe, ist nicht das Leben, was ich will. Zwar schon in seinen Grundbestandteilen, aber nicht in der feinen Ausgestaltung. Ich brauche dringend etwas, was mir (nur mir) gut tut. Was mich lächeln lässt, worauf ich mich freue. Und was mir eine gewisse Grundentspannung gibt. Ich möchte meine Gedanken kontrollieren, ich will nicht anhand irrationaler Gedanken meine Fassung verlieren. Und ich will nicht so oft bocklos und schlaff durch die Welt schlürfen.

Der Vorteil dieser - entschuldigt - zurückliegenden und aktuellen Scheiß-Zeit ist der, dass man versucht, etwas zu ändern. Ich bin darin aber gar nicht so gut. Ich probiere viel, bin dann auch ganz euphorisch und verliere mich dann doch wieder in alten Mustern. Da muss ich ein wenig mit meinem Schweinehund kämpfen. Vor einiger Zeit habe ich mir eine kleine Motivationsliste geschrieben, die auf dem Prinzip der positiven Affirmationen beruht. Ich habe also versucht, mir ganz positiv zu verdeutlichen, dass ich gut bin wie ich bin. Denn im Selbstkritisieren bin ich einsame Spitze - was natürlich entsprechende Gedanken & Gefühle auslöst. Warum sollte dann nicht auch das Gegenteil funktionieren, in dem ich mir die Sätze meiner Liste immer wieder ins Gedächtnis rufe? Ähnlich versuche ich das bei auftretenden schlechten Gedanken. Ich versuche einfach, sie ins Gegenteil zu verkehren. Dabei kann ich leider noch nichts erfolgreiches berichten. Die Synapsen im Hirn lassen sich eben nicht so schnell umpolen. Aber vielleicht bald. Ganz bestimmt. Bald. Außerdem versuche ich, bewusster auf bislang unbewusste Äußerungen einzuwirken. Zum Beispiel ist mein Standardsatz im Studium "Ich muss lernen.". Die Folge? Irgendwie tut man das ja dann doch zwanghaft. Mit Widerwillen. Das sagt einerseits die Aussage bereits, andererseits fühlt es sich danach auch so an. Und überhaupt: Was für ein Quatsch! Ich muss nicht lernen. Ich will lernen! Denn ich will diesen Studienabschluss. Das ist ein Paradebeispiel für vieles andere: Ich muss nicht bügeln, ich will glatte Kleidung tragen. Ich muss nicht einkaufen, ich will leckere Sachen Zuhause haben ... etc. Sicherlich hüpfe ich seit dieser Erkenntnis noch nicht mit Leichtigkeit umher und setze mich an meine Hausarbeit, aber auch hier gilt für die Synapsen Gleiches: es braucht Zeit. Mein letzter, bitter nötiger, Besuch bei der Psychohygiene zeigte mir dahingehend auch noch mehr. Zum Beispiel, wie ich mich selbst oft mit Worten (und demnach wohl auch gedanklich/gefühlt) klein mache. Nämlich dann, wenn ich - auch oft scherzhaft - sage: "Das können vielleicht andere, aber ich nicht." Bewusst will ich mich selbst dabei gar nicht auf eine niedrigere Stufe stellen. Unbewusst tue ich das aber wohl. Also: weiterhin auf den eigenen Wortschatz achten. Und sowieso niemals vergleichen.

Meine Yogaeinheiten führe ich weiterhin durch, wenn auch sehr sporadisch. Auch Zumba tanze ich hin und wieder vorm TV. Nur mit der progressiven Muskelentspannung komm ich nicht so zurecht. Außerdem versuche ich, mir was zu Gönnen, öfter zu lächeln, bewusster im Hier und Jetzt zu sein (und nicht in Gedanken schon 308503 Schritte weiter) und auch bewusster darauf zu achten, mit welchem Treibstoff ich mich versorge. Alles in allem aber sind es bislang Versuche, die ich gern zu einem fixen Bestandteil ausbauen möchte. Selbstfürsorge quasi. Ich muss nur am Ball bleiben.

Wenn aber mal ganz fernab von allem überlegt, was für ein gesundes und angenehmes Leben nötig ist, ist es doch ganz einfach: Gesunde Ernährung, Beziehungen (Freunde/Familie), Sport, frische Luft, ausreichend Schlaf und sicher auch eine gewisse positive Grundeinstellung. Und doch können diese sich leicht schreibenden Bestandteile überaus schwer in ihrer Umsetzung sein.


-- Übrigens: Ich studiere weiter. In der Hoffnung , in einem halben Jahr damit komplett durch zu sein. Erfolgreich, versteht sich. --



Mittwoch, 21. Januar 2015

Hingehört.

Okay, ich revidiere meine Ansicht: Mein Ohrgeräusch aka Tinnitus macht mich fertig. Habe das Gefühl, es ist schlimmer geworden. Aber ich lausche natürlich auch sehr bewusst dahin. Das ist das erste, was ich nach dem Aufwachen tue - und das letzte, was mich abends quält. Hilfe! Da steigt die Panik in mir auf. Und ich schaffe es gerade nicht, mich davon abzulenken. Alles andere ist nebensächlich, ich mach mich sehr fokussiert damit fertig. Ich weiß einfach nicht, was ich tun kann und soll. "Kürzer treten" geht gerade auch nicht, auch wenn ich meine Lernphasen drastisch reduziere. Aber ich sehe schon, dass mir das wieder auf die Füße fällt, indem ich mir vor, während und/oder nach der Prüfung Vorwürfe mache. Herrje.



Samstag, 17. Januar 2015

8 Tage später

... und etwas an Selbstreife weiter.

Mein Ohrgeräusch ist noch da. Aber es ist okay. Wenn es nicht schlimmer wird, möchte ich nicht klagen. Ich darf mich nur nicht zu sehr darauf konzentrieren. Und das ist im Allgemeinen eine gute, wenn auch harte, Übung für mich. Einfach mal auf's "Außen" zu achten. Hin und wieder aber habe ich schon Momente, in denen ich mich frage "Bleibt das jetzt immer so?" Das nimmt mir natürlich ein wenig Wohlbefinden, das steht außer Frage. Aber ich weiß, es könnte schlimmer sein und ich weiß auch, dass dies irgendeinen Sinn hat.

Das Kortison lässt meinen eher niedrigen Blutdruck auf ein Normallevel schwappen, sodass ich in Aktionismus verfalle. Stillsitzen ist gerade überhaupt nicht meins - was im Grunde eine wirklich belebende und erfrischende Erfahrung ist. Aber irgendwann am Tag, zumeist gen Abend, erwischt mich eine extreme innere Unruhe. Einerseits macht sie mir Angst, andererseits weiß ich, dass ich was tun muss. Schwer zu beschreiben. Ich will mich dann gern irgendwie entspannen, mental und körperlich, kann aber nicht. Ich kompensiere meinen Adrenalinhaushalt ein wenig, indem ich hoppse ("Jumping Jack"). Atme einige Male danach ganz tief und bewusst in den Bauch und versuche nach einem "Anti-Stress-Tee", meinem Pensum nachzugehen. Klappt nicht so ganz. Muss aber.

Wo wir bei meiner derzeitigen Entscheidung angelangt sind: Ich mache weiter. Ich studiere, so gut ich kann. Ich versuche, meine eigenen Ansprüche - welches allein die Stressmacher sind - zu reduzieren. Ich rede mir einfach ein, dass es schon klappen wird. Und auch mit einem Schnitt von 3,0 wird mir der Master verliehen. Oder auch mit Überschreitung der Regelstudienzeit bekäme ich diesen akademischen Grad. Und wenn mich so oder so dann kein Arbeitgeber will: Dann ist das so.

Nun habe ich zzt. nicht viel Wahl. In knapp einer Woche schreibe ich schon die erste Prüfung. Ich kann mich jetzt nicht ein paar Tage rausnehmen, mal wegfahren oder Ähnliches. Wenn ich das Studium will, wofür ich mich ja nun entschieden habe, dann muss ich etwas tun. So schwer fiel mir die Überwindung allerdings noch nie. Bildlich umschrieben pfeift mein Hirn aus'm letzten Loch, völlig verdreckt mit alten, anhaftenden Resten. Hier müsste mal gekärchert werden. Es fehlt dazu leider derzeit an Strom. Und so wird quasi mühsam Zelle für Zelle und Synapse für Synapse mit der Zahnbürste geputzt. Nicht besonders gründlich, aber so, dass es ausreicht, um neue künftige Altbeläge reinzupusten. Ein wenig chemischen Kleister mit dazu, damit das Neue auch hält. Reindrücken, draufhauen, fertig.

Ich habe mich in den letzten Tagen wirklich wieder viel mit mir selbst beschäftigt und viel reflektiert. Dabei fiel mir auf, dass ich die Antwort bzw. die Ursache für alle körperlichen Reaktionen intuitiv weiß. Dennoch suche ich immer wieder nach alternativen Gründen - denn die Wahrheit, an der man was ändern müsste, tut ja doch irgendwie immer ein wenig weh. Fakt ist, dass es zzt. nicht nur das Studium ist, was mich ein wenig in die Knie zwingt. Aber so ca. 80 % sind es schon. Da nun aber Rom auch nicht an einem Tag erbaut wurde (ganz schlechte Metapher, habe ich immer gehasst und mag ich eigentlich immer noch nicht) widme ich mich erstmal dem Wichtigsten. Und um die nächsten Wochen zu überstehen gibt's für mich: Hirnnahrung in Form von Nüssen, Bananen und Ginkgo (so oder so); Neurexan und jede Menge an Tee. Daneben versuche ich weiterhin, mein Adrenalin zumindest mit dem Jumping Jack zu bekämpfen, Atemtechniken zu lernen und abends im Bett die Progressive Muskelentspannung durchzuführen.

Das bin alles wiedermal typisch ich: In Akutsituationen möglichst viel (Gutes) tun, damit es bei Besserung wieder abebbt. Kein Wunder, dass mein Körper mit Signalen nicht geizt.