Freitag, 9. Januar 2015

Dosis facit venenum

Der Sturm, begleitet durch Gewitter und peitschenden Regen, der da draußen tobt, kann mich und meine Situation derzeit nicht besser beschreiben.

Ich bin ja bekannt für meine up&down-Phasen, für meine labile und leicht theatralische Art. Für den Hang zum Pessimismus, den selbst auferlegten Druck, den Perfektionismus und für mein hypochondrisches Angst-Dasein.

Und dennoch gibt es Phasen, in denen mir all diese Erkenntnis nichts nützt - in denen da mehr ist, als nur eine Art Verstimmung. So geht es mir seit dem Frühjahr letzten Jahres: Bachelor geschafft, ich auch, Master wartete. In dieser Zeit habe ich auch - in der Überlegung, alles mir Mögliche für die berufliche Zukunft zu tun - ein Jobangebot abgelehnt. Stattdessen bevorzugte ich BAföG, unorganisierte Studienbedingungen und die Inhalte des Masters.

Es begann, wie es zzt. endet: Mit stetigem innerlichem Widerstand. Und auch wenn ich ein Jammerlappen bin, eine Heulsuse bin ich eher nicht so. Aber ich weinte oft seitdem. Das häufte sich mit Selbstzweifeln, Angst vorm Versagen und dem Nicht-mehr-können.
Geht alles vorüber - dachte ich mir immer wieder. Es ist einfach nur Zeit für eine Pause. Doch nach den Sommerferien ging alles von vorn los - zumindest spätestens seit November. Immer wieder lass' ich den Satz "Ich schmeiße mein Studium" fallen. Und ehrlich gestanden ist dies auch ein tiefer innerlicher Wunsch von mir. Könnte ich nun - etwa ein halbes Jahr vor Studiumsende - auch tun. Aber einerseits ist da die Angst, es irgendwann zu bereuen. Andererseits ist die Angst groß, keinen Arbeitsplatz zu finden - allein auf der Tatsache begründet, den Master begonnen aber (aus Arbeitgebersicht aufgrund mangelnder Belastbarkeit) nicht beendet zu haben. Es geht also nicht. Ich habe nicht all die Jahre "gekämpft" und bin diesen Weg nicht gegangen, um mittendrin aufzuhören. Und sowieso gebe ich langfristig eh ungern auf. Und so motiviere ich mich immer wieder. "Es ist jetzt nicht mehr so viel. Januar und Februar - das hälst du noch durch, dann wird es besser".

Um mich herum erfahre ich bestmöglichste Unterstützung, insbesondere hinsichtlich meiner Tochter. Aber auch da plagen mich die Zweifel: Ich habe den Eindruck, sie läuft nur so nebenher. Ich bin nie ganz und voll da; es nervt mich oft auch einfach, dass ich z. B. am Wochenende/am Nachmittag nichts für' Studium tun kann. Auch wenn ich mich ihr gegenüber zusammenreiße, merken tut sie es. Und ich möchte doch in erster Linie eine gute Mutter sein - Priorität hat sie! Aber leider sind das nur Worte, die Realität ist eine andere. Ich ordne alles meinem Studium unter. Ich möchte nicht die gleiche beschissene Mutter werden, die ich kenne. Aber Tatsache ist: Ich kann einfach nicht anders. Ich kann mich nicht zerteilen. Will ich meinen Grundstein für meine berufliche Zukunft legen, muss ich Anforderungen erfüllen.Und ich gebe mir alle Mühe, alles für meine Tochter zu tun. Aber nur bemüht zu sein, reicht mir nicht. Und das macht mich unzufrieden.

All meine Gedanken und Gefühle äußern sich bekanntlich körperlich - das dürfte auch bei "normalen" Menschen ein Regelfall sein. Ich plage mich hauptsächlich abwechselnd Kopf- und Nackenschmerzen, mal mit Sehproblemen, mal mit Erkältungen oder Blasenentzündungen. In jedem Fall löst stets eins das andere ab - aber immer ist irgendetwas da. Und was mich aktuell so arg zum Nach- und Umdenken bewegt, ist auch ein körperliches Symptom: Eine Gehörgangsentzündung ("Ich kann es nicht mehr hören" - passt da ganz gut) endete mit Ohrenrauschen ("Hör endlich hin!"). Nicht nur, dass ich den Vormittag heute damit verbrachte, mit mir zu hadern, ob ich verschriebenes Kortison auch nehmen soll, nein - vielmehr bekam ich zweifach medizinische "Ratschläge". Nämlich dass ich endlich auf meinen Körper hören soll. Und es stimmt ja auch: Dass ich mit Ende zwanzig ähnlich gebrechlich bin, wie 80-jährige, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Zumal ich rein medizinisch tatsächlich gesund bin.

Ja - und nun? Aufgeben? In meinen Augen "ablosen"? Oder die Hürde überwinden und weitermachen?

Erschwerend hinzu kommt, dass das, was ich da studiere, zwar ganz nett ist, aber eben nicht das, was mir so wirklich liegt. Anders formuliert: ich sehe mich doch eher kreativ tätig, insbesondere mit den Händen, statt stets logisch-denkend im Geiste tätig.

Ich weiß momentan nichts. Ich weiß nur, dass was passieren muss.





Kommentare:

  1. Ich hoffe, du triffst die für dich und euch beste Entscheidung!
    Liebe Grüße, Sonja

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  2. Liebes Flüsterkind, diese Gedanken haben mich zum Ende meines Studiums ebenfalls begleitet. Anschließend konnte ich meinen Abschluss nicht würdigen/wertschätzen. Und ich plane, einen anderen Weg zu gehen. Universität ist einfach nicht mein Metier. Trotz allem bin ich immer noch froh, den Abschluss gemacht zu haben. Ein jahrelanges Studium ohne Abschluss zu rechtfertigen, ist bestimmt keine leichte Aufgabe. Wenigstens bleibt mir das erspart. Dir auch? Alles Gute für euch. J

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    1. Liebe J.,
      ich habe nun schon oft gehört, dass es vielen so am Ende des Studiums erging. Das beruhigt mich etwas. Ich denke auch: Jetzt irgendwie durchhalten, das Ziel erreichen und danach was daraus machen - und zwar so, dass es Sinn macht und gut tut.
      Danke und liebe Grüße!

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